machen wir uns nichts vor: Künstliche Intelligenz ist kontrovers. Recherchieren, redigieren, zusammenfassen, strukturieren – für viele Medienschaffende läuft ein Sprachmodell inzwischen den halben Arbeitstag mit.
Jenseits von individuellem Nutzen oder Nichtnutzen hält sich ein Einwand hartnäckig: dass Künstliche Intelligenz Unmengen an Strom und Wasser verbraucht und so die Klimakrise beschleunigt. Im aktuellen Sommer erleben wir, welche teils drastischen Auswirkungen sehr hohe Temperaturen haben. Die 41,8 Grad, die der DWD in Möckern-Drewitz bestätigt hat, sind ein historischer Rekord. In genau diese heiße Phase fällt der unaufhaltsame Boom von Rechenzentren für generative KI.
Treibt unser Drang nach KI die Erwärmung also weiter an?
Manche davon, etwa die Optimierung von Lieferketten oder die Beschleunigung der Materialforschung, haben tatsächlich das Potenzial, langfristig zur Eindämmung der Erwärmung beizutragen. In der Praxis meint „KI“ meist aber Large Language Models. Wer „KI“ sagt, spricht für gewöhnlich über ChatGPT und eher nicht über Smart-Grid-Systeme zur Senkung des Stromverbrauchs.
In der breiten medialen Berichterstattung über generative Technologien passiert übrigens oft dasselbe.
Du bist (nicht) das Problem
Wie hoch ist der ökologische Fußabdruck einer einzelnen Anfrage an ein LLM? Pauschal lässt sich das nicht beziffern. Er hängt von Modellgröße, Serverauslastung, Rechenzentrumseffizienz und vor allem vom Strommix am jeweiligen Standort ab, der zwischen fast klimaneutral und stark fossil schwankt. Einzelne Anfragen sind aber auch die falsche Bezugsgröße, weil KI im Wesentlichen auf der Infrastrukturebene passiert.
Irland zeigt, was das heißt. Das Land hat sich über Jahrzehnte als Tor nach Europa für die großen Techkonzerne positioniert: niedrige Steuern, gute Netze, wenig Regulierung. 23 Prozent des gesamten irischen Stromverbrauchs gehen heute auf Rechenzentren zurück, im EU-Schnitt sind es zwei bis drei Prozent. Wer eine Anfrage durch diese Rechenzentrumsinfrastruktur schickt, entscheidet damit mehr über den Fußabdruck als mit der Formulierung des Prompts.
Eine Transkription, eine Zusammenfassung eines Textes, das Strukturieren von Notizen oder die Erstellung von Metadaten sind Aufgaben, die häufig auch mit kleineren oder spezialisierten Modellen gelöst werden können. Ein großes Frontier-Modell wie Fable 5 oder GPT-5.6 ist nicht automatisch die bessere Wahl und wäre in vielen Fällen Overengineering.
Nachhaltiger KI-Einsatz beginnt deshalb mit der Auswahl des Werkzeugs. Brauche ich für diese Aufgabe überhaupt ein generatives Modell? Welches liefert die nötige Qualität und reicht dafür ein kleineres? Lässt sich die Verarbeitung lokal erledigen, auf eigener Hardware oder auf Servern mit transparenter Energiebilanz, statt jede Eingabe über transatlantische Infrastruktur zu schicken?
Open-Source-Modelle sind für viele dieser Fälle eine veritable Alternative. Sie sind kostenlos und nach dem Setup oft die verlässlichere Option, um stabile Workflows zu bauen.
Jedes Modell ist anders
Eine der größten Herausforderungen bei der KI-Nutzung in Organisationen ist ein fehlendes Verständnis für die Unterschiede zwischen Modellen. Modelle sind aber keine austauschbaren Varianten desselben Werkzeugs. Sie unterscheiden sich in ihren Fähigkeiten, ihren Kosten, ihrer Geschwindigkeit und ihrem Ressourcenverbrauch. Wer diese Unterschiede nicht kennt, trifft keine bewusste Entscheidung.
Art. 50 KI-VO: Ab dem 2. August muss KI-Content unter Umständen gekennzeichnet werden.
Welche Inhalte konkret betroffen sind, wie die Rechtsfolgen aussehen und was Medienschaffende tun können, hat Dr. Carolin Gierth, Juristische Leitung des KI.M, für unser Web-Angebot aufbereitet.
KI-Reallabor-Abschlussbericht 26/01: Agentische Reiseassistenz mit Interleaved Thinking
Verlagsdaten sind wertvoll. In der KI-Transformation drohen sie unterzugehen – und dieses Projekt erprobt zusammen mit dem Rother Bergverlag und dem Michael Müller Verlag, wie sie nutzbar bleiben können. Repository und Projektdokumentation sind jetzt verfügbar.